Was Du über die Manuelle Lymphdrainage wissen solltest!

Liebe LymphCare Deutschland Community, heute liegt mir die Manuelle Lymphdrainage am Herzen. Bereits der etwas lange Name lädt zum Abkürzen ein. Patienten gehen nicht zur Entstauungstherapie, sondern sie gehen zur „Lymphdrainage“, zur „ML“, „MLD“ oder häufig ganz einfach zur „Lymphe“.

Die Manuelle Lymphdrainage ist eine von 4 Säulen der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie. Mindestens genauso tragend sind die Behandlungssäulen Kompression, Hautpflege und Bewegung.

Deshalb ist es umso wichtiger genau über die Manuelle Lymphdrainage Bescheid zu wissen – Was kann eine MLD leisten? Und was zeichnet sie aus?

Wie der Name bereits beschreibt, handelt es sich um eine mit den Händen durchgeführte Therapieform, deren Grifftechniken 1936 von Dr. Emil Vodder entwickelt und als Drainage Lymphatique zur effektiven Behandlung von (Gesichts-)Schwellungen bei der Weltausstellung in Paris vorgestellt wurde. Seitdem hat sich viel getan:

Behandelt wird heute die Haut, die Unterhaut, das Unterhautfettgewebe bis hin zur Muskelfaszie. Denn dort lagert sich bei einem Ödem/einer Schwellung Flüssigkeit ein und genau dort kommt es im Laufe der Zeit auch zu bindegewebigen Veränderungen.

Somit reiht sich die MLD mit ihrer Wirkung im Bereich der oberflächlichen Faszie auch in die Reihe der momentan so populären Faszientechniken ein.

Immer wieder werde ich von Patienten gefragt, wie eine MLD eigentlich aufgebaut ist und wie man erkennen kann, ob die MLD richtig ausgeführt wird.

Um das zu beantworten, muss man wissen, dass die MLD nicht bei jedem Patienten gleich ausgeführt wird. Und das verwirrt viele Patienten sehr. Warum ist das so?

Dass die MLD so unterschiedlich aufgebaut sein kann, erklärt sich am besten anhand des breiten Spektrums von Krankheitsbildern, welche mit MLD behandelt werden.

Allen gemeinsam ist die Schwellung (das Ödem). Aber eine schmerzhaft angeschwollene Knieregion infolge einer Operation unterscheidet sich sehr von einem chronischen Lymphödem nach einer Lymphknotenentnahme, die im Rahmen einer Krebsbehandlung durchgeführt werden musste.

Und jenes Lymphödem erfordert wiederum eine ganz andere Grifftechnik bzw. Griffdosierung als das schmerzhaft mit Flüssigkeit durchtränkte Fettgewebe bei Lipödemen.

Auf diese Unterschiede kommt es an – dieses individuelle Behandeln macht einen guten Therapeuten aus.

Weil die verschiedenen Behandlungsweisen für den Patienten manchmal verunsichernd sind, möchte ich anhand häufig aufkommender Fragen ein paar Unsicherheiten beseitigen.

„Muss die Manuelle Lymphdrainage denn nicht immer am Hals anfangen?“

Nein - es gibt Situationen, da entscheidet sich der Therapeut ganz bewusst für das Weglassen bestimmter Regionen. Beim Hals wären solche Gründe beispielsweise (altersbedingte) Ablagerungen in der Halsarterie oder auch eine Überfunktion der Schilddrüse.

Oder wenn der Fokus auf einen bestimmten Behandlungsabschnitt gelegt wird kann die Halsbehandlung zweitrangig werden.

Ähnliches gilt für die Bauchbehandlung. Dort gibt es zahlreiche lokale Kontraindikationen, die den Therapeuten zum Abwandeln oder Weglassen bestimmter Grifftechniken zwingen.

„Muss die Manuelle Lymphdrainage nicht immer sanft sein?“

Keineswegs - der geschulte Physiotherapeut ertastet (=palpiert) das geschwollene Gewebe und passt seine Grifftechnik lokal an. Es kann also sein, dass am Rumpf (zentral) sehr weiche Griffe gesetzt werden und im Ödemgebiet die Intensität deutlich höher ausgeübt wird.

„Muss nicht immer der komplette Körper gelympht werden?“

Sicherlich versucht man bei der Manuellen Lymphdrainage die großen Lymphstämme am Rumpf oder benachbarte gesunde Regionen vorzubehandeln. Und dennoch kann auch eine ML, die direkt an der Extremität beginnt, sinnvoll gewählt sein. Eventuell zwingen Nebenerkrankungen den Therapeuten dazu, dass er die Gebiete auslassen muss. Oder er setzt den Fokus der heutigen Behandlung ganz bewusst auf eine Problemzone, welche viel Therapiezeit erfordert.

Denn die zentrale ML kann auch im Selbstmanagement durch Atmung, Bewegung und Selbstmassage gut aktiviert werden. Wichtig ist natürlich, dass der Therapeut dies dann erklärt. Fragt also ruhig nach.

Wichtig ist letztendlich, ob ihr von der Behandlung profitiert und ob ihr die gemeinsam erarbeiteten Therapieziele erreicht.

Was führt euch also zur Manuellen Lymphdrainage?

Um es euch leichter zu machen, liste ich im Folgenden Ziele auf, die durch die Entstauungstherapie erreicht werden können:

  • Ödemreduzierung / Die Schwellung verringert sich
  • Der entstaute Ödemzustand soll gehalten werden
  • Das Ödem verändert seine Konsistenz (es wird weicher/ ist nicht so prall/die Haut ist wieder verschieblicher)
  • Ich kann mich besser bewegen
  • Schmerzen reduzieren sich (allen voran durch das Ödem ausgelöste Spannungsschmerzen)
  • Ich bekomme weniger Wundrosen
  • Die Haut- / Wundverhältnisse verbessern sich, stabilisieren sich
  • Ich entspanne mich und kann abgeben
  • Ich lerne viel über mein Krankheitsbild
  • Ich bekomme Tipps und Übungen, die mir im Umgang mit dem Ödem in meinem Alltag helfen
  • … vielleicht möchtet ihr hier noch eure persönlichen Ziele ergänzen?

Verliert also nie euer Ziel aus den Augen - auch nicht bei der Entstauungstherapie.

Herzliche Grüße

Elvira

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Claudia Lymphödem-Betroffene

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