Teil 1: Von der Raupe zum Schmetterling

Ein Blogbeitrag von Inka Regtop von a.n.n.i. way

Teil 1: Von der Raupe zum Schmetterling

Ich bin Inka, 45 Jahre, 3fach-Mutter, Inhaberin von a.n.n.i.-way® und fast mein ganzes Leben habe ich gegen meinen Körper gekämpft. Wenn ich mich zurückerinnere, fing mein Lipödem bereits mit Anfang 20 an. Ich habe Oecotrophologie (Ernährungs- und Haushalts­wissenschaften) in Münster studiert. Da habe ich bereits gemerkt, dass mit meinen Beinen etwas nicht stimmt. Sie fühlten sich schwer an, das Joggen war sehr anstrengend und egal, welchen und wie viel Sport ich machte, die Haut war nie fest und straff. Da es mit der „normalen“ gesunden Ernährung nicht funktionierte, habe ich im Laufe der Zeit alle möglichen Diäten ausprobiert, nur um meinen Körper wieder in Form zu bringen. Leider nur mit mäßigem Erfolg. Dies machte mich noch unglücklicher, ich fühlte mich in meiner Haut überhaupt nicht wohl.

 


Im Laufe der Jahre verschlimmerte sich die Situation zusehends. Ich habe mich immer mehr geschämt, trug nur noch lange Hosen, egal ob Winter oder Sommer. Kleider trug ich nur noch, wenn sie lang waren und meine Beine verdeckten. Vor allem durch die hormonellen Veränderungen meiner drei Schwangerschaften litten vor allem meine Beine immer mehr. In all den Jahren habe ich immer wieder beim Arzt angemerkt, dass ich das Gefühl habe, dass mit den Beinen etwas nicht stimmt. Aber es kam immer nur die klassische Antwort: Ich solle mich mehr bewegen und mich gesund ernähren. Danach fühlte ich mich nur noch schlechter, denn das was ich tat, reichte einfach nicht. Ich wurde zunehmend frustrierter und ratloser. Ich hatte es doch studiert, warum kriegte ich es bei mir selber nicht hin? Meine Selbstzweifel wurden immer größer, mein Selbstvertrauen immer kleiner, das Wort Selbstliebe kam in meinem Leben nicht wirklich vor…Ich hasste meine Beine, meinen Körper. Wie konnte ich mich auch lieben, wenn ich mich/meinen Körper nicht verstand!? Es war ein Teufelskreis und ich fand den Ausweg nicht. Ich schämte mich so sehr, da es für andere ja so aussah, als ob ich es nicht hinbekomme. Wie sollte ich so zukünftig noch meinem Beruf nachgehen? Wer würde mir denn noch glauben, wenn es bei mir doch anscheinend nicht funktionierte. In den letzten Jahren kamen starke Schmerzen in den Beinen hinzu. Ein schweres Gefühl, als ob an den Unterschenkeln schwere Gewichte hängen würden und jeden Schritt zum Kraftakt machten und mich immer mehr und schneller erschöpften. Ich sagte es aber nie, machte es immer mit mir alleine aus. Nach Außen war alles normal…

Die folgenden Jahre waren eine sehr anstrengende Zeit, die mich psychisch immer mehr belastete. Im Sommer 2017 fühlte ich mich schlechter denn je. Schmerzen, fehlende Energie und Unwohlsein bestimmten meinen Tag immer mehr. Im Urlaub waren wir auf Korsika. Es war heiß und ich musste einen Badeanzug/Bikini anziehen. Absoluter Horror! Ich war so genervt, aber mich kannte dort ja niemand…Mein Mann machte dieses Foto von mir und es war mein absoluter psychischer Tiefpunkt. Es fühlte sich so an, als wenn mein Innerstes in dieser schmerzenden und immer schwerer werdenden Hülle gefangen war, wie eine Raupe im Kokon. Mein Herz, meine Seele wollten schöne Dinge erleben, mit den Kindern schwimmen gehen, leicht durchs Leben laufen, Spaß haben, das Leben lieben…aber mein Körper wurde immer kraftloser!

Nachdem ich Anfang 2017 wieder einmal keine befriedigende Antwort meines Arztes bekam, holte ich mir endlich einen Termin für eine zweite Meinung. Ich wollte mich nicht aufgeben! Vor diesem Termin war ich sehr nervös, aber irgendwie wusste ich auch, dass er mich weiterbringen würde. Mein Gefühl sollte mich nicht täuschen: Nach einer langen Untersuchung bekam ich die Diagnose: Lipödem Stadium II! Ich fuhr weinend nach Hause: Es war eine Mischung aus Erleichterung aber auch Traurigkeit. Endlich hatte ich einen Namen für mein Leiden, aber ich wusste noch nicht, was es genau für mich bedeutete und ich wollte nicht krank sein.


In der folgenden Zeit probierte ich ernährungs- und bewegungstechnisch noch mal einiges aus, mit dem Ergebnis, dass es mir mit der veganen Ernährung und Schwimmen am besten ging. Die Schmerzen wurden erträglicher, der Umfang hat sich dadurch aber nicht stark reduziert, ich trug nun auch täglich meine Kompressionsstrumpfhosen. Dies ist die konventionelle Therapie, bei der ich aber keine Lymphdrainage bekam, da ich „nur“ ein Lipödem hatte und kein Lymphödem. Mit der konventionellen Therapie erreicht man nur einen Stillstand, keine Verbesserung bzw. Heilung. Nach langen und intensiven Überlegungen habe ich mich somit für die Liposuktion (Fettabsaugung) entschieden, bei der das krankhafte Fett abgesaugt wird und man so eine Verbesserung erzielen kann. Diese wurden bei mir nicht von der Krankenkasse bezahlt, da ich nicht das Stadium III hatte. Es war ein langer, schmerzhafter, tränenreicher und kraftzehrender Weg, den ich im November 2019 startete und der bis heute noch andauert. Insgesamt wurden 4 Liposuktionen durchgeführt (die letzte erfolgte im September 2020) und nun bin ich 20 Liter krankhaftes Fett los und ich fühle mich von Tag zu Tag langsam besser. Für mich hat sich dieser Weg definitiv gelohnt, da ich nun bereits schmerzfrei bin (auch nach einem langen Arbeitstag) und das ist der großartigste Erfolg für mich. Dadurch habe ich auch langsam wieder mehr Energie und so kann ich mich wieder auf den Tag freuen, dass ich mich bis zum Abend fit fühle. Ich fühle mich so viel leichter, das Schweregefühl mit den Schmerzen ist endlich weg! Durch die Liposuktionen, vegane Ernährung und Bewegung habe ich meinen Körper positiv unterstützt um wieder gesund zu werden! Dafür bin ich so unendlich dankbar…von der Raupe zum Schmetterling!

Mein Beispiel ist nur eins von so vielen starken, tollen Frauen. Aber es macht deutlich, dass die körperliche Komponente für unsere Gesundheit natürlich eine ganz wichtige Rolle spielt. Wir dürfen auf unsere Ernährung achten, Bewegung in unseren Alltag einbauen und unseren Körper pflegen. Das ist nichts Neues. Was aber neu ist, dass wir uns bewusst machen dürfen, dass all diese Faktoren individuell sind. Wir dürfen Eigenverantwortung für uns und unseren Körper übernehmen. Das bedeutet, dass es nicht DIE EINE Ernährung für uns gibt, nicht DEN richtigen Plan für uns alle. Jeder Mensch, jeder Körper und jeder Alltag ist unterschiedlich. Wir dürfen wieder lernen, auf uns und unseren Körper zu hören und uns zu vertrauen, dass wir seine Signale richtig deuten und somit in die nachhaltige Umsetzung kommen. Es ist nicht immer leicht, aber es lohnt sich! Nur so können wir dauerhaft sehr gute Voraussetzungen schaffen, um gesund und munter durch unser Leben zu gehen.

Unsere Gesundheit ist unser kostbarstes Gut!

Lassen wir uns wieder mehr auf unseren Körper hören…und auf unser Herz, unsere größte Energiequelle!!! …aber dazu mehr im 2. Teil!

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Claudia Lymphödem-Betroffene

Claudia