Chirurgische Behandlungsmöglichkeiten bei Lymphödem

Operationen beim Lymphödem können nach einer fehlgeschlagenen konservativen (nicht-chirurgischen) Behandlung oder im Falle hochgradiger Ödeme in Betracht gezogen werden, oder aber, um nach einer erfolgreichen Entstauungstherapie überschüssiges Gewebe zu entfernen.

Chirurgische Behandlungsmöglichkeiten bei Lymphödem

Der Therapiestandard bei der Behandlung des Lymphödems ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE), also eine Kombination verschiedener konservativer (nicht-chirurgischer) therapeutischer Maßnahmen wie z. B. die manuelle Lymphdrainage (MLD) oder die Kompressionstherapie.

Chirurgische Behandlungen können eine Option darstellen, wenn dein Lymphödem mit konservativen Maßnahmen nicht mehr ausreichend behandelt werden kann. Für gewöhnlich wird eine KPE mindestens sechs Monate lang durchgeführt.

Operationen können in den folgenden Fällen erforderlich sein:

  • Hochgradige Ödeme und dadurch enstehende Deformitäten
  • Vorhandensein von überschüssigem Gewebe nach einer erfolgreichen Entstauungstherapie
  • Kein Anspruch auf eine Kompressionstherapie
  • Wiederkehrendes Erysipel
  • Lymphödeme an den Augenlidern oder Genitalien
  • Langfristige Komplikationen wie z. B. Lymphangiosarkome
  • Verbindungen zwischen dem lymphatischen System und der Haut

Welche Arten der Lymphödem-Chirurgie gibt es?

Je nach dem Grund für eine chirurgische Therapie gibt es verschiedene Arten der Lymphödem-Chirurgie:

  • Die Mikrochirurgie zur Rekonstruktion des lymphatischen Systems
  • Chirurgische Reduktion zur Entfernung von überschüssigem Gewebe
  • Fettabsaugung zur Entfernung von Fettgewebe, um Umfang und Erscheinungsbild der betroffenen Extremität zu verbessern.

Mikrochirurgie

Es gibt verschiedene Arten der Mikrochirurgie. Alle haben aber zum Ziel, das lymphatische System wiederherzustellen. Vor einem mikrochirurgischen Eingriff muss die Funktion des lymphatischen Systems visuell dargestellt werden. Zu diesem Zweck wird eine kleine Menge fluoreszierenden Farbstoffs in deine Lymphgefäße injiziert. Der Fluss der Lymphe transportiert den Farbstoff dann durch den Körper und liefert eine Abbildung deines lymphatischen Systems und seiner Funktion. Im Folgenden soll kurz beschrieben werden, wie mithilfe mikrochirurgischer Eingriffe das lymphatische System rekonstruiert werden kann:

Lymphgefäßtransplantation: Hierbei werden in deinem Körper vorhandene gut funktionierende Lymphgefäße in Körperregionen transplantiert, in denen die Lymphgefäße entweder nicht richtig arbeiten oder gänzlich fehlen.

Lymphknotentransplantation: Hierbei werden in deinem Körper vorhandene gut funktionierende Lymphknoten zusammen mit dem sie umgebenden Gewebe in Körperregionen transplantiert, in denen die Lymphknoten entweder nicht richtig arbeiten oder gänzlich fehlen.

Veneninterposition: Hierbei wird eine Vene deines Körpers verwendet, um eine Brücke zwischen deinen Lymphkollektoren herzustellen, um so die Lymphdrainage zu steigern. Dieses Verfahren kann zum Einsatz kommen, um die Lymphpassage wiederherzustellen, wenn der Lymphfluss blockiert ist.

Lymphovenöse und lymphonodo-venöse Anastomosen: „Anastomose“ ist ein medizinischer Fachbegriff für die Verbindung zwischen zwei anatomischen Strukturen. Hierbei stellt der Chirurg eine lokale Verbindung zwischen den Lymphgefäßen und einer Vene (lympho-venöse Anastomose) oder zwischen einem Lymphknoten und einer Vene (lymphonodo-venöse Anastomose) her. Diese Technik zielt darauf ab, den Abfluss von Lymphflüssigkeit zu steigern.

Chirurgische Reduktion

Eine chirurgische Reduktion kann nach einer erfolgreichen Entstauungstherapie erforderlich werden, um überschüssiges Gewebe zu entfernen und das Erscheinungsbild der betroffenen Gliedmaße zu optimieren. Sie ist ebenfalls eine Option bei Patienten, bei denen sich das Lymphödem am Augenlid oder an den äußeren Geschlechtsmerkmalen befindet, um die Beschwerden eines hochgradigen Lymphödems abzumildern.

Fettabsaugung (Liposuktion)

Die Fettabsaugung bei Lymphödem-Patienten zielt darauf ab, überschüssiges Fettgewebe zu entfernen und Umfang und Erscheinungsbild der betroffenen Gliedmaße zu optimieren. Sie behandelt nicht das Lymphödem selbst und steigert auch nicht die Lymphdrainage. Eine Fettabsaugung wird für gewöhnlich unter Vollnarkose durchgeführt und du wirst dich dafür wahrscheinlich ein paar Tage lang in ein Krankenhaus begeben müssen. Die Kompressionstherapie ist ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung vor und nach einer Fettabsaugung und soll den langfristigen Erfolg der Therapie sicherstellen.

Bariatrische Chirurgie

Bei vorhandenem Übergewicht kann sich ein sekundäres Lymphödem bilden, und Übergewicht kann seinerseits ein bereits bestehendes Lymphödem noch weiter verschlimmern. Die bariatrische Chirurgie bietet sich daher als Option bei gewissen Patienten an, die Schwierigkeiten damit haben, Gewicht zu verlieren.

Was sind die Risiken der Lymphödem-Chirurgie?

Die unterschiedlichen chirurgischen Optionen haben alle ihre eigenen Risiken. Einige dieser allgemeinen Risiken können nach allen Arten lymphödemchirurgischer Eingriffe auftreten, wie z. B. Infektionen, Blutungen oder Schädigungen der Nerven und der Gefäße während der eigentlichen Operation.

Die Lymphödem-Chirurgie eignet sich nicht für alle Lymphödem-Patienten. Wenn du mehr über chirurgische Behandlungen bei Lymphödem erfahren möchtest, solltest du dies mit deinem Arzt besprechen.

Kostenübernahme

Besprich immer zunächst mit deinem Arzt, ob eine chirurgische Behandlung für dich in Frage kommt und du davon profitieren könntest. Wer die Kosten für derartige Eingriffe übernimmt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Du kannst dieses Thema jedoch jederzeit mit deinem Arzt oder deiner Krankenkasse besprechen.

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Claudia Lymphödem-Betroffene

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